es ist sonntag. nebel und grau schlossen sich mit meinem kater zusammen und lassen das sonst so wilde santiago schlummern. die letzte woche verbrachte ich an der kueste, in algarrobo. vieles spricht dafuer, santiago zu verlassen. es ist kein schoener ort zum leben. und doch halten mich all zu viele dinge, all zu viele menschen, zurueck. algarrobo ist meine zweite heimat in chile. die schoensten sonnenuntergaenge, brisa de mar, die mich an griechenland und kindheit erinnern, die kueche, das essen. nicht ohne grund fuehlte sich pablo neruda so von diesem ort angezogen- eines seiner drei haeuser liegt in isla negra, das sich ein paar kilometer suedlich von algarrobo befindet.
ach ja, wer in chile waehlen moechte, muss sich in eine liste einschreiben, die oeffentlich zugaenglich ist - dein guter nachbar (in chile und speziell in santiago ist so etwas wie "ein-gutes-nachbarschaftsverhaeltnis" ein fremdwort, wie etwa auch "abfall-gehoert-in-den-abfall-und-wird-nicht-einfach-auf-der-strasse-oder-in-der-natur-entsorgt") kann sich die information besorgen, wie auch dein chef oder sonstwer. pech? SOGEHTDAS wuerde philip maloney sagen..
letzthin veroeffentlichte ein hacker infos von sechs millionen chilenen, die dieser unsicheren regierungsstellen abgeluchst hatte, es gab promt ein aufstand, pabiipabaa, ein aufstand gegen die wachsende internetkriminalitaet, angefuert von der konservativen presse. naja, wenigstens gibts hier auch intellektuell anspruchsvollere satiremagazine, die nicht den hacker, sondern das sytem in frage stellen.
ach ja, wer in chile arme eltern hat, hat, hat richitig!; ebenfalls pech gehabt. das bildungssystem ist quasi komplett privatisiert, nur wer reiche eltern hat kann/darf eine anstaendige schule besuchen. in der staatlichen schule lernt man mit glueck lesen, schreiben und das einmaleins. in chile ist das foetzeltum (will heissen: du musst nix koennen, du brauchst nur ein blatt mit offiziellem stempel und kram, das dir deine ausbeutung ermoeglicht und eine faehigkeit bescheinigt), das in der schweiz ebenfalls am wachsen ist, ausserordentlich ausgepraegt. ein armer schlucker hat weder das moos, eine gute schule zu bezahlen, die ihm die bildung fuer die benoetigte punktzahl fuer die PSU (die chilenische matur) gibt, noch das vitamin B (hier:pituto) eine anstaendige arbeit zu finden.
es gibt natuerlich auch schoenes zu berichten. ein guter freund erzaehlte mir eine wirklich ruehrende geschichte. vor allem in den poblaciones, den armenvierteln, kommt gerade wieder das drachenspiel in mode. mit viel wind wird weit oben im himmel gekaempft und gespielt. als er klein war, erzaehlte er mir, gabs praktisch keine kinder in seiner umgebung, mit denen er spielen konnte. er spielte deshalb weit, weit oben im himmel mit anderen kindern drachen-anderen kindern, die er niemals kannte, mit denen er aber spielen konnte, und zwar im himmel.

ich, 29437, mein haus, block 57D

alte klassenkameraden


costa traviesa

las famosas puestas del sol santiaguinas,
fuer einmal ohne smog, nach dem regen



manuela y valentín

el gato verde

seba



iik